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Love-Scamming erkennen: Warnzeichen, Maschen und Hilfe

Love-Scamming erkennen: So läuft der Liebesbetrug ab, an diesen Warnzeichen entlarvst du Love-Scammer und so bekommst du Hilfe, wenn du schon gezahlt hast.

Von Veröffentlicht am 14 Min. LesezeitRead in English
Titelbild: Love-Scamming erkennen, mit Warnzeichen, typischen Maschen und Hilfe für Betroffene

Love-Scamming erkennst du an einem Muster: Eine Online-Bekanntschaft überhäuft dich schnell mit Liebe, kann sich aus immer neuen Gründen nicht mit dir treffen und braucht irgendwann Geld, Gutscheinkarten oder Kryptowährung. Die wichtigste Regel lautet deshalb: Schick niemandem Geld, den du noch nie persönlich getroffen hast. Hast du schon gezahlt, brich den Kontakt ab, ruf sofort deine Bank an, sichere alle Nachrichten und erstatte Anzeige.

Die Täter arbeiten laut Polizei mit erfundenen Lebensgeschichten und viel Geduld, oft über Wochen oder Monate. Wer darauf hereinfällt, ist nicht naiv, sondern wurde gezielt manipuliert. Scham hilft nur den Betrügern, und Hilfe gibt es auch dann, wenn schon viel Geld weg ist. Wir entwickeln bei TrustCamera eine Kamera-App für überprüfbare Fotos und beschäftigen uns deshalb viel mit gefälschten Profilbildern. Hier findest du, was Polizei und Opferhilfe zu Love-Scamming raten.

Love-Scamming erkennen: die Warnzeichen auf einen Blick

Love-Scamming ist Betrug mit vorgetäuschter Liebe. Typisch sind ein Kontakt, der sehr früh von Liebe und gemeinsamer Zukunft spricht, geplatzte Treffen und eine plötzliche Notlage, die nur Geld lösen kann. Die Polizeiliche Kriminalprävention rät, den Kontakt abzubrechen, sobald jemand um Geld, Gutscheine oder Gefälligkeiten bittet, besonders in Kryptowährung.

Diese Warnzeichen tauchen beim Liebesbetrug immer wieder auf:

  • Große Gefühle nach kurzer Zeit: Die Person schwärmt nach wenigen Tagen von Liebe, Heirat oder einer gemeinsamen Zukunft, obwohl ihr euch nie gesehen habt.
  • Treffen platzen immer wieder: Kurz vor dem Besuch kommen Unfall, Krankheit, Überfall oder Ärger mit dem Pass dazwischen.
  • Ein Leben weit weg: Auslandseinsatz, Arbeit auf einer Bohrinsel oder ein Projekt im Ausland erklären, warum kein Treffen möglich ist.
  • Eine Notlage, die nur Geld löst: Krankenhausrechnung, Flugticket, Visum oder eine Gebühr, ohne die die Person angeblich nicht ausreisen darf.
  • Ungewöhnliche Zahlungswege: Gutscheinkarten, Bargeldtransfer, Kryptowährung oder die Bitte, Geld oder Pakete für die Person weiterzuleiten.
  • Druck und Schuldgefühle: Sätze wie „Du bist meine letzte Hoffnung“ sollen dich zu einer schnellen Zahlung bewegen.

Ein einzelnes Warnzeichen beweist noch keinen Betrug. Treffen aber mehrere zusammen und geht es um Geld, solltest du sofort innehalten. Wie du gefälschte Profile schon vor dem ersten Chat entlarvst, zeigt unser Ratgeber Fake-Profil erkennen.

So läuft Love-Scamming ab: vom ersten Chat bis zur Geldforderung

Im Detail unterscheiden sich die Maschen, sie folgen aber meist einem ähnlichen Drehbuch. Die Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt es ausführlich, grob lassen sich drei Phasen unterscheiden.

Phase 1: Kontakt und erfundene Identität

Love-Scammer suchen ihre Opfer auf Partnerbörsen und in sozialen Netzwerken wie Instagram, Snapchat oder Facebook. Laut Polizei treten Scammer mit Männerprofilen gern als Ingenieure, Architekten, Tierärzte, Computerspezialisten oder US-Soldaten auf. Profile mit Frauenfotos zeigen häufig angebliche Ärztinnen, Krankenschwestern, Lehrerinnen oder Geschäftsfrauen. Die Profilfotos sind meist gestohlen, manchmal auch eigens für den Betrug aufgenommen. Wie solche Konten auf Instagram aussehen, erklärt unser Ratgeber Fake-Account auf Instagram erkennen.

Phase 2: viel Nähe, aber kein Treffen

Danach machen sich die Täter im Alltag ihrer Opfer unentbehrlich. Auf eine romantische Nachricht am Morgen folgt ein Anruf am Mittag, abends wird stundenlang gechattet. Um Geld geht es anfangs nie, sondern um Beruf, Familie, Liebe und eine gemeinsame Zukunft. Schon bald ist vom „Ehemann“ oder der „Ehefrau“ die Rede, und es werden Heiratspläne geschmiedet. Laut Polizei sind viele Opfer zu diesem Zeitpunkt bereits emotional abhängig von ihrem Internet-Partner.

Phase 3: der Notfall und die Geldforderung

Kurz vor dem ersten Treffen passiert dann etwas: ein Überfall, ein gestohlener Pass, ein Krankenhausaufenthalt nach einem Unfall oder Probleme mit der Kreditkarte. Mal fehlt das Geld für Flugticket oder Visum, mal für eine angebliche Ausreisegebühr, die es laut Polizei gar nicht gibt. Manchmal melden sich zusätzlich ein „Arzt“, ein „Polizist“ oder „Angehörige“, um den Druck zu erhöhen. In manchen Fällen drohen die Täter sogar mit Suizid, nur um an Geld zu kommen.

Bezahlt werden soll über Wege, die sich kaum zurückholen lassen: Bargeldtransfer wie Western Union oder MoneyGram, Gutscheinkarten oder Kryptowährung. Manche Täter bitten um Kopien deines Ausweises, angeblich für ein gemeinsames Konto. Mit solchen Daten lassen sich laut Polizei Pässe fälschen. Welche Tricks speziell auf Dating-Apps laufen, zeigt unser Artikel zur Tinder-Betrugsmasche.

Besonders heikel wird es, wenn du Schecks auf deinem Konto einlösen und den Großteil weiterschicken oder Pakete annehmen und weiterversenden sollst. Die Schecks platzen oft, und die Rückzahlung an die Bank bleibt an dir hängen. Das Weiterleiten oder Aufbewahren solcher Pakete ist laut Polizei illegal. Im schlimmsten Fall gerätst du selbst in Verdacht, obwohl du nur helfen wolltest.

Liebesbetrug mit Geldanlage: wenn aus dem Flirt ein Trading-Tipp wird

Eine weitere Variante verbindet Liebesbetrug mit Anlagebetrug. Die Polizeiliche Kriminalprävention nennt sie „Tinder-Trading-Scam“: Lockvögel schreiben dich auf Partnerbörsen und in Netzwerken wie Tinder, Badoo, Grindr, LinkedIn oder Facebook an, flirten und bauen Vertrauen auf. Vom ersten Kontakt bis zum ersten „Tipp“ vergehen oft mehrere Wochen. Dann empfehlen sie dir eine angeblich besonders lukrative Anlageplattform. In den USA ist für Liebesbetrug mit Geldanlage auch der Begriff „Pig Butchering“ verbreitet, so nennt ihn etwa das FBI.

Die Plattformen sehen professionell aus. Nach einer ersten, eher kleinen Einzahlung sollst du immer größere Summen investieren. Laut Polizei findet in der Regel gar kein Handel statt, die Software zeigt nur erfundene Transaktionen und Gewinne. Spätestens bei der Auszahlung beginnen die Probleme: Plötzlich werden Steuern, Gebühren oder Versicherungen fällig, teils drohen die Täter sogar mit einem angeblichen Geldwäscheverdacht. Das eingezahlte Geld siehst du trotzdem nicht wieder.

Die Polizei rät, Anbieter vorab in der Unternehmensdatenbank der Finanzaufsicht BaFin zu prüfen, keine Zugangsdaten preiszugeben und niemandem per Fernwartung Zugriff auf deinen Computer zu geben. Aus unserer Sicht gilt zusätzlich: Wer dich erst umwirbt und dann zum Investieren drängt, ist kein Anlageberater, egal wie echt die Gefühle wirken.

Hand hält ein Smartphone mit einem steigenden Kursdiagramm vor einer hellen Wand
So seriös wie eine echte Kursansicht wirken auch gefälschte Anlageplattformen. Ihre Gewinne gibt es aber nur auf dem Bildschirm.Foto: Joshua Mayo / Pexels

Warum Betroffene weiterzahlen und warum das keine Dummheit ist

Von außen wirkt es oft unbegreiflich, dass jemand immer wieder Geld schickt. Die Erklärung der Polizei ist nüchtern: Wenn die erste Forderung kommt, besteht längst eine enge emotionale Bindung. Oft folgt dann eine Forderung auf die nächste, jede mit einer neuen, dringenden Begründung.

Dahinter stecken aus unserer Sicht zwei Mechanismen. Wer schon viel investiert hat, an Geld und an Gefühlen, will nicht wahrhaben, dass alles verloren sein könnte. Jede neue Zahlung verspricht, dass sich die vorherigen doch noch lohnen. Der zweite Mechanismus ist Scham. Betrüger setzen darauf, dass Betroffene aus Angst vor Vorwürfen schweigen. Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC warnt sogar, dass Täter ihre Opfer isolieren, indem sie auf Stillschweigen bestehen.

Nicht du hast versagt, sondern jemand hat dich mit einem eingeübten Drehbuch getäuscht. Die Polizei weist ausdrücklich darauf hin, dass es andere warnen kann, wenn du von deiner Erfahrung erzählst. Je früher du mit jemandem sprichst, dem du vertraust, desto eher lässt sich weiterer Schaden verhindern.

Love-Scammer erkennen: so prüfst du dein Gegenüber

Liebe lässt sich nicht beweisen, eine Identität aber zumindest auf Widersprüche prüfen. Diese Schritte empfiehlt die Polizeiliche Kriminalprävention, ergänzt um unsere Einschätzung zu Fotos:

  1. Namen suchen: Gib den Namen deiner Bekanntschaft zusammen mit dem Wort „Scammer“ in eine Suchmaschine ein. Das kann laut Polizei in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen.
  2. Profilfotos rückwärts suchen: Tauchen die Bilder unter anderen Namen oder in älteren Posts auf, sind sie vermutlich gestohlen. Wie das am Handy geht, zeigt unser Ratgeber zur Bilder-Rückwärtssuche.
  3. An KI-Bilder denken: Findet die Suche nichts, kann ein Foto auch künstlich erzeugt sein. Worauf du dann achtest, erklärt der Artikel KI-Bild erkennen.
  4. Videoanruf vorschlagen: Die Polizei rät, kritisch zu fragen, ob sich die Person schon im Video-Chat gezeigt oder ein Treffen angeboten hat.
  5. Mit Vertrauten sprechen: Erzähl Freunden oder Familie, was passiert. Ihr Blick von außen hilft, Klarheit zu gewinnen.

Bei Fotos und Videoanrufen gibt es allerdings einen Haken. Früher galt ein Foto mit einem Zettel, auf dem dein Name und das heutige Datum stehen, als brauchbarer Echtheitstest. Heutige Bildgeneratoren schreiben solche Zettel aber gleich mit, deshalb taugt der Test nicht mehr als Beweis. Auch ein Live-Video lässt sich inzwischen fälschen, weil manche Verfahren Gesichter in Echtzeit tauschen. Woran du das erkennst, zeigt unser Ratgeber Deepfake erkennen.

Ein Videoanruf bleibt trotzdem ein wichtiger Test, nur kein endgültiger. Kombiniere ihn mit den anderen Schritten. Für dich selbst empfiehlt die Polizei außerdem eine eigene E-Mail-Adresse nur fürs Online-Dating. Die wichtigste Prüfung bleibt aber die einfachste: Bittet dich jemand um Geld, den du nie getroffen hast, behandle das als Betrugsversuch.

Frische Fotos statt geklauter Profilbilder: was ein Prüfcode zeigen kann

Das Grundproblem beim Online-Dating: Jedes Profilfoto kann von irgendwoher stammen. Wir arbeiten bei TrustCamera an einem Ansatz, der genau hier ansetzt. Fotos und Videos entstehen direkt in der App, Uploads aus der Galerie sind nicht möglich. Ein gestohlenes Foto aus dem Netz lässt sich also nicht einfach hochladen und mit einem Prüfcode versehen.

Konkret heißt das: Bitte dein Match, ein frisches Foto in der TrustCamera-App aufzunehmen und dir den Prüfcode gleich zu schicken. Prüf ihn dann direkt kostenlos im Browser, ohne Konto. Du siehst, dass die Datei seit der Aufnahme unverändert ist, dazu die Aufnahmezeit und den ungefähren Ort mit einer Genauigkeit von etwa 10 km, nie die genaue Position. Passt der ungefähre Ort gar nicht zu dem, was die Person über ihren Aufenthaltsort erzählt, ist das ein Widerspruch, den du ernst nehmen solltest. Ein passender Ort beweist umgekehrt aber nichts.

Die Grenzen sind genauso wichtig. Der Code zeigt nicht, wer auf dem Foto zu sehen ist, und auch nicht, dass die Person das Profil wirklich betreibt. Eine gestellte Szene erkennt er ebenfalls nicht. Deshalb bleiben ein Live-Videoanruf und die übrigen Prüfschritte wichtig. Kann oder will jemand keinen Code schicken, beweist das noch keinen Betrug, zumal die App für Android und iOS erst in Kürze erscheint.

Denk auch an deine eigene Privatsphäre. Schickst du selbst einen Prüfcode an eine fremde Person, verrät er ihr deinen ungefähren Aufnahmeort. Überleg dir das gut, bevor du ihn teilst. Und kein Foto ersetzt die Grundregel: kein Geld an Menschen, die du nie getroffen hast.

Love-Scamming: was tun, wenn du schon Geld überwiesen hast

Hast du einem Love-Scammer bereits Geld geschickt, zählt Tempo. Die Polizei rät, Zahlungen, wenn noch möglich, sofort rückgängig zu machen. Diese Schritte helfen dir jetzt:

  1. Nichts mehr zahlen: Überweise nichts mehr, löse keine Schecks ein und leite keine Pakete weiter, egal wie dramatisch die nächste Nachricht klingt.
  2. Bank sofort anrufen: Bitte deine Bank oder den Zahlungsdienst, Zahlungen zurückzurufen, solange das noch möglich ist.
  3. Beweise sichern: Speichere Chats, E-Mails, Profilseiten und Überweisungsbelege, am besten zusätzlich auf einem USB-Stick oder in der Cloud.
  4. Profil melden: Melde das Konto der Dating-Plattform oder dem sozialen Netzwerk, damit es nicht weitere Menschen trifft.
  5. Anzeige erstatten: Das geht bei jeder Polizeidienststelle oder online über die Onlinewache deines Bundeslands.
  6. Kontakt abbrechen: Antworte nicht mehr und blockiere die Person, sobald alle Beweise gesichert sind.

Die Strafverfolgung ist laut Polizei schwierig, weil die Täter meist aus dem Ausland agieren. Melden solltest du den Fall trotzdem. Besonders wichtig ist das laut Polizei, wenn eine Bank wegen eingelöster Schecks gegen dich vorgehen will oder deine Ausweisdaten missbraucht werden. Hast du Kopien deines Ausweises verschickt, erwähne das ausdrücklich.

Ob sich eine Zahlung zurückholen lässt, hängt vom Zahlungsweg ab. Was bei Überweisung und PayPal möglich ist, erklärt unser Notfallplan Kleinanzeigen-Betrug: Was tun?. Die Hinweise zu diesen Zahlungswegen gelten auch beim Liebesbetrug. Ging es nicht um Geld, sondern um eine gefälschte Identität, hilft dir unser Ratgeber Catfishing anzeigen. Wirst du mit intimen Fotos oder Videos erpresst, findest du Hilfe im Ratgeber Sextortion: was tun.

Recovery-Scam: Vorsicht vor Helfern, die dein Geld zurückholen wollen

Nach dem ersten Betrug kommt oft der zweite. Laut Polizeilicher Kriminalprävention melden sich Täter nach einiger Zeit erneut und geben sich als Ermittler oder Anwälte aus. Sie versprechen, dein verlorenes Geld zurückzuholen, verlangen dafür aber vorab eine Gebühr. Dahinter steckt oft dieselbe Betrügergruppe.

Manche geben sich auch als Mitarbeiter einer Verbraucherzentrale aus. Die Polizei stellt klar: Verbraucherzentralen treten nie von sich aus mit Betroffenen in Kontakt, beraten wird nur auf Nachfrage. Zahl deshalb nichts im Voraus, gib keine Kontodaten heraus und erlaube niemandem Fernzugriff auf deinen Computer. Seriöse Hilfe suchst du dir selbst, über Polizei, Verbraucherzentrale oder einen Anwalt, den du unabhängig ausgewählt hast.

Ist Love-Scamming strafbar? Was das Gesetz sagt

Im Strafgesetzbuch taucht der Begriff Love-Scamming nicht auf. Strafbar sein kann die Masche aber als Betrug. Nach § 263 Strafgesetzbuch macht sich strafbar, wer durch Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Irrtum erregt und dadurch das Vermögen eines anderen schädigt, um sich oder andere rechtswidrig zu bereichern. Vorgesehen sind Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, in besonders schweren Fällen mehr. Auch der Versuch ist strafbar.

Eine Grenze nennt die Polizei: Die bloße Kontaktaufnahme, etwa eine merkwürdige Nachricht, gilt noch als straffreie Vorbereitungshandlung. Hast du aber einen finanziellen Schaden erlitten, solltest du laut Polizei in jedem Fall Strafanzeige wegen Betrugs erstatten. Ob im Einzelfall eine Straftat vorliegt, klären Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht. Für rechtliche Fragen, etwa zu Rückforderungen, sind eine Opferberatung oder ein Anwalt die richtigen Ansprechpartner.

Wenn Angehörige betroffen sind: so sprichst du Love-Scamming an

Vielleicht bist du gar nicht selbst betroffen, sondern machst dir Sorgen um deine Mutter, einen Freund oder den Nachbarn. Aus unserer Sicht hilft dann ein ruhiges Gespräch mehr als eine Konfrontation. Wer verliebt ist, verteidigt die Beziehung oft, besonders gegen Vorwürfe. Diese Punkte können helfen:

  • Zuhören statt urteilen: Frag nach, wie die beiden sich kennengelernt haben, und vermeide Sätze wie „Wie kann man nur so naiv sein?“.
  • Gemeinsam prüfen: Schlag vor, die Profilfotos zusammen rückwärts zu suchen und den Namen mit „Scammer“ zu suchen. Ein Treffer überzeugt oft mehr als jedes Argument.
  • Beim Geld klar bleiben: Bitte darum, vorerst nichts mehr zu überweisen, bis ihr die Geschichte gemeinsam geprüft habt.
  • Hilfe anbieten, nicht erzwingen: Biete an, zur Bank oder zur Polizei mitzukommen.

Unterstützung bekommt ihr beim Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS unter 116 006: bundesweit, kostenfrei und anonym, sieben Tage die Woche von 7 bis 22 Uhr. Laut WEISSEM RING kannst du dort auch in Vertretung für jemand anderen anrufen. Das ist ein guter erster Schritt, wenn dein Angehöriger selbst noch nicht bereit ist, über den Betrug zu sprechen.

Zwei Tassen Kaffee mit Milchschaum stehen von oben fotografiert auf einem dunklen Tisch
Ein ruhiges Gespräch ohne Vorwürfe hilft Betroffenen oft mehr als jede Warnung.Foto: Zulfugar Karimov / Pexels

Häufige Fragen zu Love-Scamming

Was ist Love-Scamming einfach erklärt?

Love-Scamming ist Betrug mit vorgetäuschter Liebe. Täter bauen über Dating-Apps oder soziale Netzwerke eine Beziehung auf, oft über Wochen oder Monate, und bitten dann um Geld für eine angebliche Notlage. In den meisten Fällen haben die Betroffenen die Person nie im echten Leben getroffen. Andere Namen dafür sind Romance-Scamming und Liebesbetrug.

Ist Love-Scamming strafbar?

Love-Scamming kann als Betrug nach § 263 Strafgesetzbuch strafbar sein, wenn jemand dich täuscht und dadurch dein Vermögen schädigt, um sich oder andere rechtswidrig zu bereichern. Das Gesetz sieht bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe vor, auch der Versuch ist strafbar. Eine merkwürdige Kontaktnachricht allein ist laut Polizei noch nicht strafbar.

Kann man Love-Scamming anzeigen?

Ja. Du kannst bei jeder Polizeidienststelle Anzeige erstatten oder online über die Onlinewache deines Bundeslands. Die Polizei rät dringend dazu, wenn du einen finanziellen Schaden hast. Halte Chats, Profilangaben und Überweisungsbelege bereit. Auch wenn die Täter oft im Ausland sitzen, hilft dir die Anzeige, etwa bei Rückfragen deiner Bank.

Wie lange dauert Love-Scamming?

Oft lange. Laut Polizei bauen die Täter die Beziehung über Wochen oder sogar Monate auf, bevor es um Geld geht. Beim Liebesbetrug mit Geldanlage vergehen vom ersten Kontakt bis zum ersten Anlagetipp oft mehrere Wochen. Hat die Person einmal Geld bekommen, folgen häufig weitere Forderungen, jede mit einer neuen Begründung.

Können Love-Scammer per Video anrufen?

Ja, das ist möglich. Manche Verfahren tauschen Gesichter inzwischen in Echtzeit, ein Videoanruf ist deshalb kein sicherer Beweis mehr. Weicht jemand Videoanrufen dauerhaft aus, bleibt das trotzdem ein Warnzeichen. Beim Soldaten-Szenario beschreibt die Polizei zum Beispiel Telefonate ohne Bild. Kombiniere den Videoanruf deshalb mit Rückwärtssuche, Namenssuche und der Regel, kein Geld an Unbekannte zu schicken.

Bekomme ich mein Geld nach Love-Scamming zurück?

Das hängt vom Zahlungsweg und vom Tempo ab. Ruf sofort deine Bank oder den Zahlungsdienst an und lass prüfen, ob sich Zahlungen zurückholen lassen. Bei Bargeldtransfer, Gutscheinkarten oder Kryptowährung ist das nach unserer Einschätzung meist schwierig. Zahl auf keinen Fall an angebliche Helfer, die gegen Gebühr dein Geld zurückholen wollen.

Wo bekommen Opfer von Love-Scamming Hilfe?

Erste Anlaufstellen sind deine Bank und die Polizei. Begleitung und ein offenes Ohr bietet das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS unter 116 006, kostenfrei und anonym, täglich von 7 bis 22 Uhr. Belastet dich die Situation sehr, erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenfrei unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Bei akuter Gefahr wähl die 110.

Fazit: Love-Scamming erkennst du am Geld, nicht an den Gefühlen

Die Gefühle beim Love-Scamming fühlen sich echt an, und genau das macht die Masche so wirksam. Verlass dich deshalb nicht auf dein Bauchgefühl, sondern auf eine einfache Regel: kein Geld, keine Gutscheinkarten und keine Kryptowährung an Menschen, die du nie persönlich getroffen hast. Rückwärtssuche, Namenssuche und ein Videoanruf helfen, Widersprüche zu finden, ersetzen die Regel aber nicht.

Ist es schon passiert, brich den Kontakt ab, ruf deine Bank an, sichere die Beweise und erstatte Anzeige. Hüte dich vor Helfern, die gegen Gebühr dein Geld zurückholen wollen. Und vor allem: Du musst dich nicht schämen. Hilfe gibt es bei Polizei, Opfer-Telefon und Menschen, denen du vertraust.

Über den Autor

Mitgründer & Marketing bei TrustCamera

Yannick ist Mitgründer von TrustCamera und verantwortet dort Marketing und Content. Er hat einen Bachelor- und Masterabschluss im Businessbereich und beschäftigt sich seit Jahren mit Content-Marketing und SEO.

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