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Sextortion: Was tun bei Erpressung mit Nacktbildern?
Sextortion: Was tun, wenn dich jemand mit Nacktbildern erpresst oder eine Erpresser-Mail schickt? Die ersten Schritte, kostenlose Hilfe und Löschwege.

Wirst du mit Nacktbildern oder einem heimlich aufgezeichneten Videochat erpresst, ist das Sextortion. Zahl kein Geld und schick keine weiteren Aufnahmen. Sichere Profil und Nachrichten, brich dann den Kontakt ab, ohne den Chat zu löschen, melde das Konto bei der Plattform und erstatte Anzeige bei der Polizei. Du bist nicht schuld, und es gibt kostenlose Hilfe, auch beim Löschen der Bilder.
Erpresser setzen auf Scham und Zeitdruck, damit du allein und überstürzt handelst. Deshalb hilft es, einmal durchzuatmen und Schritt für Schritt vorzugehen. Viele Drohungen kommen außerdem als Massen-E-Mail, hinter der gar kein Video steckt. Für diesen Ratgeber haben wir zusammengetragen, was Polizei, klicksafe und die Betreiber der Löschdienste Betroffenen raten, Erwachsenen wie Jugendlichen.
Sextortion: Was tun in den ersten Minuten?
Geh nicht auf die Forderung ein, auch wenn die Frist knapp wirkt. Laut Polizeilicher Kriminalprävention hört die Erpressung nach einer Zahlung meist nicht auf. Sichere stattdessen die Nachrichten, beende den Kontakt, ohne den Chat zu löschen, melde das Konto und erstatte Anzeige. Und hol dir Unterstützung, statt die Sache allein zu tragen.
- Nicht zahlen: Überweise kein Geld, kauf keine Guthabenkarten und schick keine Kryptowährung, auch keine Teilzahlung.
- Nichts nachschicken: Schick keine weiteren Bilder oder Videos, auch wenn die Täter das als Ausweg anbieten.
- Beweise sichern: Halte Profil, Profil-Link, Chatverlauf und Forderungen fest, bevor du etwas blockierst.
- Kontakt abbrechen: Antworte nicht mehr und blockiere die Person, lösch den Chat aber nicht.
- Melden und anzeigen: Melde das Konto bei der Plattform und erstatte Anzeige bei der Polizei, je nach Fall auch online.
- Hilfe holen: Sprich mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle. Minderjährige wenden sich an ihre Eltern oder eine andere erwachsene Vertrauensperson.
Für Jugendliche gilt beim Beweise-Sichern eine wichtige Ausnahme, die wir weiter unten erklären. Sextortion beginnt übrigens oft mit einem Profil, das gar nicht der Person gehört, die du zu kennen glaubst. Woran du so etwas künftig früher erkennst, zeigt unser Ratgeber Fake-Profil erkennen.
Was Sextortion ist und wie die Erpressung abläuft
Der Begriff setzt sich aus „Sex“ und dem englischen Wort „Extortion“ für Erpressung zusammen. Gemeint ist, dass dich jemand mit intimen Bildern oder Videos unter Druck setzt, um Geld oder weitere Aufnahmen zu bekommen. Die Polizei beschreibt zwei Formen, die sich im Ernstfall sehr unterschiedlich anfühlen.
Erpressung mit echten Aufnahmen: Betroffene lernen die Täter laut Polizeilicher Kriminalprävention oft über Instagram, Snapchat, Facebook oder Dating-Plattformen kennen. Das Gespräch wird schnell auf einen Videochat gelenkt. Dort überreden die Täter zu sexuellen Handlungen vor der Kamera und zeichnen heimlich auf. Anschließend drohen sie, das Video zu veröffentlichen, und verlangen Geld, Bitcoins oder weitere Nacktaufnahmen.
Oft kennen sich Täter und Opfer laut Polizei aber auch persönlich, etwa aus einer beendeten Beziehung. Häufig sind die Opfer männlich, betroffen sein können aber alle, auch Frauen und Minderjährige. Bei den rein online ablaufenden Fällen mit Geldforderung sind die Drahtzieher laut Polizei meist in Banden organisiert und agieren oft aus dem Ausland.
Erpresser-Mails ohne Material: Die zweite Form ist ein Bluff in großem Stil. Massenhaft verschickte E-Mails behaupten, dein Computer sei gehackt und deine Webcam habe dich gefilmt. Wie du sie erkennst, steht im Abschnitt zur Sextortion-E-Mail.
Dazu kommen gefälschte Nacktbilder. Mit KI lassen sich aus einem normalen Porträt Nacktbilder erzeugen, darauf weisen Polizei und klicksafe hin. Für eine Erpressung brauchen Täter also nicht einmal ein echtes intimes Foto von dir. Was Deepfakes sind und woran du sie erkennst, erklärt unser Ratgeber Deepfake erkennen. An den Schritten ändert eine Fälschung aus unserer Sicht wenig: Auch hier gilt nicht zahlen, sichern, melden und anzeigen.
Beweise sichern, ohne dich selbst zu gefährden
Beweise helfen Polizei und Plattform, gegen das Konto vorzugehen. Sichere deshalb, bevor du blockierst: das Profil mit Nutzernamen und Link, den Chatverlauf, alle Drohungen und die Zahlungsaufforderungen samt Konto- oder Wallet-Angaben. Der Link zum Profil ist laut Landeskriminalamt Niedersachsen für Ermittlungen wichtig, weil ein Nutzername mehrfach vergeben sein kann.
In ihrer gemeinsamen Checkliste raten BSI und Polizei, Chatverläufe und Nachrichten per Screenshot zu sichern. Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt außerdem, das weitere Vorgehen mit der örtlichen Polizei abzusprechen, die dir sagen kann, was du speichern solltest. Lösch den Verlauf jedenfalls nicht, bevor du Beweise gesichert oder mit der Polizei gesprochen hast, auch wenn der Impuls groß ist.
Anders ist es bei den intimen Aufnahmen selbst, wenn darauf Minderjährige zu sehen sind. Die Polizei warnt in ihren FAQ, dass man sich beim Sichern solcher Inhalte unter Umständen selbst strafbar macht, weil schon ein Screenshot Besitz bedeutet. Leite solche Bilder deshalb nicht weiter, auch nicht an Vertrauenspersonen. Frag stattdessen früh bei der Polizei nach, ob und wie Screenshots für die Beweissicherung nötig sind.
Schreib dir zusätzlich eine kurze Zeitleiste auf: wann der Kontakt begann, auf welcher Plattform, wann die Drohung kam und was genau gefordert wurde. Damit beantwortest du die Fragen bei der Anzeige schneller und musst den Chat nicht immer wieder öffnen.

Sextortion melden: bei der Plattform und bei der Polizei
Sextortion melden solltest du an zwei Stellen: bei der Plattform, auf der der Kontakt lief, und bei der Polizei. Die Plattform kann das Konto sperren und intime Inhalte entfernen. Unangemessene Inhalte lassen sich laut Polizei über eigens eingerichtete Melde-Buttons direkt beim Betreiber melden.
Auf Instagram meldest du das Profil, einzelne Beiträge oder Nachrichten direkt in der App. Im Hilfeartikel Gegen Erpressung auf Instagram vorgehen rät Instagram, Erpressung zu melden, sich an die Polizei zu wenden und eine Vertrauensperson einzubeziehen. Anschließend kannst du die Person blockieren. Wie du verdächtige Konten schon vor dem ersten Chat erkennst, zeigt unser Ratgeber Fake-Account auf Instagram erkennen.
Anzeige erstattest du bei jeder Polizeidienststelle, je nach Fall auch online über die Onlinewache deines Bundeslands. Nimm deine Belege mit: Screenshots, Profil-Links, Kontaktdaten, E-Mails und Zahlungsaufforderungen. Bei akuter Gefahr wählst du die 110. Wie eine Anzeige bei gefälschten Profilen abläuft, erklärt unser Ratgeber Catfishing anzeigen.
Weil das Thema so intim ist, zahlen manche Betroffene lieber, als sich jemandem anzuvertrauen, schreibt das LKA Niedersachsen. Polizei und BSI raten trotzdem klar zur Anzeige und dazu, kein Geld zu überweisen. Aus unserer Sicht holst du dir mit einer Anzeige auch ein Stück Kontrolle zurück.
Intime Bilder löschen lassen: StopNCII und Take It Down
Zwei kostenlose Dienste helfen dabei, dass intime Bilder gar nicht erst auf großen Plattformen landen oder dort wieder verschwinden. Beide arbeiten mit einem digitalen Fingerabdruck, einem sogenannten Hash. Er wird auf deinem Gerät berechnet, das Bild selbst verlässt dein Handy nicht. Teilnehmende Plattformen suchen dann nach Kopien mit demselben Fingerabdruck und entfernen sie, wenn sie gegen ihre Regeln verstoßen.
StopNCII.org ist für Erwachsene gedacht. Du musst selbst auf dem Bild zu sehen sein, damals mindestens 18 gewesen sein und das Bild noch besitzen. Laut FAQ kannst du den Dienst ausdrücklich auch bei Sextortion nutzen, und er nimmt auch KI-Fälschungen von dir an. Betrieben wird er von der britischen Revenge Porn Helpline, die zur gemeinnützigen Organisation SWGfL gehört.
Take It Down vom US-Kinderschutzzentrum NCMEC ist für Aufnahmen, die entstanden sind, als du jünger als 18 warst. Du kannst den Dienst anonym nutzen, auch aus Deutschland und auch dann, wenn du heute volljährig bist. Wichtig: Lade kein Bild herunter und lass es dir nicht schicken, nur um es einzureichen. Take It Down arbeitet nur mit Dateien, die schon auf deinem Gerät liegen.
Die Grenzen solltest du kennen. Beide Dienste wirken nur auf teilnehmenden, öffentlichen oder unverschlüsselten Plattformen, nicht in verschlüsselten Messengern und nicht im ganzen Internet. Wird ein Bild zugeschnitten oder mit Filtern bearbeitet, erkennt der Fingerabdruck die Kopie laut StopNCII unter Umständen nicht mehr. Taucht eine Aufnahme auf einer Website auf, meldest du sie zusätzlich direkt beim Betreiber.

Wenn Jugendliche betroffen sind: Hinweise für Teens und Eltern
Sextortion trifft auch Minderjährige. Die Polizei beschreibt, wie Täter Kinder und Jugendliche etwa beim sogenannten Grooming dazu bringen, sexualisierte Aufnahmen von sich zu machen. Andere Aufnahmen entstehen beim Sexting unter Gleichaltrigen und werden später als Druckmittel benutzt, etwa um noch mehr Bilder zu erzwingen.
Wenn du jünger als 18 bist: Du bist nicht schuld an der Situation und musst dich nicht schämen. So steht es im Sextortion-Flyer von klicksafe und JUUUPORT, der auch die nächsten Schritte erklärt. Zahl nichts, schick keine weiteren Aufnahmen, brich den Kontakt ab, melde und blockiere die Person. Kinder und Jugendliche sollten sich laut Polizei umgehend an ihre Erziehungsberechtigten wenden.
Leite die Bilder an niemanden weiter, auch nicht an Freunde, die helfen wollen. Wer Nacktaufnahmen von Minderjährigen weiterleitet oder speichert, kann sich strafbar machen, selbst mit guter Absicht. Take It Down hilft dir, die Bilder von großen Plattformen fernzuhalten, ohne dass du sie irgendwohin schicken musst.
Für Eltern gilt: Bleib ruhig und mach deinem Kind keine Vorwürfe. Das Landeskriminalamt Niedersachsen rät Eltern im Zusammenhang mit Cybergrooming ausdrücklich, nicht mit Handyverbot oder dem Wegnehmen von Geräten zu drohen, denn das Kind ist das Opfer. Speichere oder verschicke die Bilder nicht selbst als Beweis, sondern besprich mit der Polizei, wie ihr Beweise sichert.
Anonyme und kostenlose Hilfe gibt es hier:
- Nummer gegen Kummer, 116 111: Kinder- und Jugendtelefon, montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr. Das Elterntelefon erreichst du unter 0800 111 0550.
- JUUUPORT: Jugendliche und junge Erwachsene beraten online vertraulich und kostenlos, auch zu Sextortion.
- Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch, 0800 22 55 530: für Betroffene und alle, die sich um ein Kind sorgen, montags, mittwochs und freitags 9 bis 14 Uhr, dienstags und donnerstags 15 bis 20 Uhr, online auch über „Schreib-Ollie“.
Sextortion-E-Mail: So erkennst du die Bluff-Masche
Eine Sextortion-E-Mail behauptet, jemand habe deinen Computer gehackt und dich über die Webcam beim Ansehen von Pornos gefilmt. Gegen eine Zahlung in Bitcoin würden die Aufnahmen gelöscht, sonst gingen sie an Familie, Freunde und Kollegen. Das Landeskriminalamt Niedersachsen dokumentiert solche Mails seit Jahren und spricht von angeblichen Hackern, deren Nachrichten täglich massenhaft kursieren.
Typische Merkmale, die das LKA beschreibt:
- Die Mail nennt ein Passwort, das du tatsächlich irgendwann benutzt hast.
- Sie scheint von deinem eigenen E-Mail-Konto zu kommen. Laut LKA ist das ein Trick (Mail-Spoofing), Zugriff auf dein Konto haben die Täter nicht.
- Sie nennt deine Anschrift, manchmal mit einem Foto deines Hauses aus einem Kartendienst.
- Sie setzt eine knappe Frist, oft nur Stunden oder ein, zwei Tage, und verbietet dir, mit Polizei oder Freunden zu sprechen.
Das Passwort wirkt beunruhigend, beweist aber keinen Zugriff auf deine Kamera. Laut LKA stammen solche Daten aus Hacks bei Diensten, bei denen du Kunde warst, und diese Lecks können Jahre zurückliegen. Einen Beweis wie ein Video hat nach Angaben des LKA bisher niemand bekommen, selbst Menschen ohne Webcam erhielten solche Mails. Antworte nicht, denn damit bestätigst du nur, dass deine Adresse aktiv ist. Ändere das genannte Passwort überall, wo du es noch nutzt, und schütz dein E-Mail-Konto mit Zwei-Faktor-Anmeldung.
Ob deine Adresse in einem Datenleck auftaucht, zeigen laut LKA etwa der Identity Leak Checker des Hasso-Plattner-Instituts oder Have I Been Pwned. Danach kannst du die Mail löschen. Das LKA wertet solche Mails als Erpressung, du kannst sie also auch bei jeder Polizeidienststelle anzeigen. Wer schon gezahlt hat, sollte das nach Rat des LKA unbedingt tun.
Ganz ausschließen lässt sich eine echte Überwachung nicht. Das LKA berichtet von einer Schadsoftware, die beim Besuch von Pornoseiten heimlich über die Webcam Aufnahmen machen kann. Dagegen helfen eine abgedeckte oder abgezogene Webcam und ein aktueller Virenschutz. Die typische Massenmail mit Passwort und Bitcoin-Adresse ist davon aber zu unterscheiden.
Ist Sextortion strafbar? Was das Strafrecht sagt
Sextortion kann in Deutschland gleich mehrere Straftaten erfüllen. Im Kern geht es um Erpressung: Nach § 253 StGB macht sich strafbar, wer jemanden durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung nötigt und ihm so einen Vermögensnachteil zufügt, um sich oder andere zu Unrecht zu bereichern. Schon der Versuch ist strafbar. Handeln Täter gewerbsmäßig oder als Bande, liegt in der Regel ein besonders schwerer Fall mit höherer Strafe vor.
Geht es den Tätern nicht um Geld, sondern um weitere Aufnahmen, kann statt Erpressung zum Beispiel Nötigung nach § 240 StGB in Frage kommen. Wer von einer Person in ihrer Wohnung oder einem anderen gegen Einblick geschützten Raum unbefugt Bildaufnahmen macht und dadurch ihren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, kann sich zusätzlich nach § 201a StGB strafbar machen. Das gilt auch für das Weitergeben solcher Aufnahmen an Dritte. Sind Minderjährige betroffen, kommen weitere Tatbestände hinzu, etwa die Verbreitung kinder- oder jugendpornografischer Inhalte nach §§ 184b und 184c StGB.
Welche Paragrafen im Einzelfall greifen, entscheiden Staatsanwaltschaft und Gericht, nicht dieser Ratgeber. Für rechtliche Fragen, etwa zu Schadensersatz oder Unterlassung, sind eine Anwältin oder ein Anwalt die richtigen Ansprechpartner, das LKA Niedersachsen nennt diese Möglichkeit ausdrücklich. Den Anfang macht in jedem Fall die Anzeige bei der Polizei.
Hilfe holen: Du musst da nicht allein durch
Sextortion kann Angst, Scham und Panik auslösen. Das ist eine normale Reaktion auf eine Drohung und kein Zeichen von Schwäche. Die Verantwortung liegt bei den Tätern, nicht bei dir, auch wenn du jemandem vertraut und Bilder geschickt hast. Rede mit einem Menschen, dem du vertraust, oder mit einer Beratungsstelle.
Für Erwachsene gibt es zwei Anlaufstellen, die du kostenlos erreichst. Das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS unter 116 006 ist täglich von 7 bis 22 Uhr für alle da, die eine Straftat erlebt haben. Die TelefonSeelsorge erreichst du rund um die Uhr unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, auch per Mail und Chat.
Wenn du gerade keinen Ausweg siehst oder daran denkst, dir etwas anzutun, ruf sofort die TelefonSeelsorge an oder im Notfall die 112. Es gibt einen Weg aus dieser Situation, und niemand muss ihn allein finden.
Vorsicht gilt bei Firmen, die gegen Vorkasse versprechen, Videos aus dem Netz zu entfernen oder Täter aufzuspüren. In den USA hat das FBI vor solchen Anbietern gewarnt, die Betroffenen hohe Gebühren abverlangen und ihnen sogar von einer Anzeige abraten. Polizei, die Beratungsstellen aus diesem Ratgeber, StopNCII und Take It Down helfen kostenlos. Aus unserer Sicht spricht deshalb nichts dafür, in dieser Lage Geld an Unbekannte zu zahlen, die Hilfe versprechen.
So schützt du dich künftig vor Sextortion
Ganz oben auf der Liste der Polizeilichen Kriminalprävention steht: keine Nacktaufnahmen verschicken und nicht vorschnell einem Videochat zustimmen, schon gar nicht mit Menschen, die du nur online kennst. Dazu kommen einige Gewohnheiten, die Polizei und BSI empfehlen:
- Nimm Freundschaftsanfragen nur von Menschen an, die du persönlich kennst.
- Sei gewarnt, wenn ein neuer Kontakt schnell intim wird oder auf einen anderen Messenger wechseln will.
- Deck die Webcam ab, solange du sie nicht nutzt.
- Stell Freundesliste und Fotos auf privat, damit Täter nicht sehen, wem sie Aufnahmen schicken könnten.
- Halte Betriebssystem und Virenschutz aktuell.
Prüf neue Kontakte, bevor du Vertrauen fasst. Eine Bilder-Rückwärtssuche mit dem Profilfoto kann zeigen, ob das Bild schon unter anderem Namen im Netz steht. Ein Videoanruf allein beweist wenig: Laut LKA spielen Täter auch fremde Aufzeichnungen ab, und Deepfakes sind inzwischen ebenfalls möglich. Welche Maschen auf Dating-Apps verbreitet sind, zeigen unsere Ratgeber zur Tinder-Betrugsmasche und zum Love-Scamming.
Häufige Fragen zu Sextortion
Was ist Sextortion?
Sextortion ist Erpressung mit intimen Bildern oder Videos. Täter drohen, Aufnahmen zu veröffentlichen oder an Familie und Freunde zu schicken, und fordern Geld oder weitere Bilder. Oft beginnt es mit einem Flirt über soziale Netzwerke oder Dating-Apps und einem heimlich aufgezeichneten Videochat. Eine zweite Form sind Massen-E-Mails, die ein Video nur behaupten.
Soll ich bei Sextortion zahlen?
Nein. Laut Polizei hört die Erpressung nach einer Zahlung meist nicht auf, oft kommen danach neue Forderungen. Zahl deshalb nichts und schick auch keine weiteren Bilder. Sichere stattdessen die Beweise, brich den Kontakt ab, melde das Konto und erstatte Anzeige. Hast du schon gezahlt, zeig das ebenfalls an und informiere deine Bank oder deinen Zahlungsdienst.
Wo kann ich Sextortion melden?
Melde das Konto zuerst bei der Plattform, etwa über die Meldefunktion von Instagram, Snapchat oder der Dating-App. Erstatte außerdem Anzeige bei jeder Polizeidienststelle, je nach Fall auch online über die Onlinewache deines Bundeslands. Intime Bilder kannst du über StopNCII (ab 18) oder Take It Down (Aufnahmen von unter 18-Jährigen) von teilnehmenden Plattformen fernhalten lassen.
Ist eine Sextortion-E-Mail mit meinem Passwort echt?
In aller Regel nicht. Das LKA Niedersachsen spricht bei diesen Massenmails von angeblichen Hackern und kennt keinen Fall, in dem jemand tatsächlich ein Video als Beweis bekam. Dein Passwort stammt meist aus Datenlecks bei anderen Diensten, die Jahre zurückliegen können, und beweist keinen Zugriff auf deine Webcam. Antworte nicht, zahl nichts und ändere das Passwort überall, wo du es noch verwendest. Anzeigen kannst du die Mail trotzdem.
Ist Sextortion in Deutschland strafbar?
Sextortion kann in Deutschland strafbar sein, vor allem als Erpressung nach § 253 StGB, und schon der Versuch ist strafbar. Heimliche Aufnahmen und ihre Weitergabe können zusätzlich nach § 201a StGB strafbar sein, bei Minderjährigen kommen weitere Tatbestände hinzu. Welche Paragrafen im Einzelfall greifen, entscheiden Staatsanwaltschaft und Gericht.
Kann ich meine Nacktbilder aus dem Internet löschen lassen?
Teilweise. Melde jede Aufnahme direkt bei der Plattform oder Website, auf der sie auftaucht. StopNCII und Take It Down berechnen auf deinem Gerät einen digitalen Fingerabdruck, mit dem teilnehmende Plattformen Kopien erkennen und entfernen können. Beide Dienste sind kostenlos, wirken aber nicht in verschlüsselten Messengern und nicht im ganzen Internet.
Was mache ich, wenn mein Kind mit Nacktbildern erpresst wird?
Bleib ruhig, mach keine Vorwürfe und drohe nicht mit Handyverbot: Dein Kind ist das Opfer. Speichere oder verschicke die Bilder nicht selbst, denn schon der Besitz kann strafbar sein. Wende dich an die Polizei und frag, wie ihr Beweise sichert. Beratung gibt es kostenlos beim Elterntelefon unter 0800 111 0550 und beim Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch.
Fazit: Bei Sextortion hilft Ruhe, nicht Zahlung
Sextortion lebt davon, dass Betroffene in Panik zahlen und schweigen. Beides spielt den Tätern in die Hände. Zahl nichts, schick nichts nach, sichere Profil und Chat und brich dann den Kontakt ab. Melde das Konto, erstatte Anzeige und nutze StopNCII oder Take It Down, damit sich Bilder nicht auf großen Plattformen verbreiten.
Bei einer Sextortion-E-Mail mit altem Passwort änderst du das Passwort und löschst die Mail oder zeigst sie an. Und egal, welche Form dich trifft: Die Schuld liegt bei den Erpressern. Hol dir Hilfe bei einer Vertrauensperson oder einer der Beratungsstellen, du musst da nicht allein durch.
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